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L-Spatz 55 D-1686 (Bj. 1955)
Technische Daten:

 
Sitze: 1
Herstellungszeitraum: 1955
Spannweite: 15,00 m
Rumpflänge: 6,25 m
Flügelfläche: 11,7 m²
Flügelstreckung: 19,00
Flächenbelastung: 22,7 kg/m²
Flügelprofil: Mü 14%
Rüstgewicht: 160 kg
Höchstfluggewicht: 265 kg
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Geringstes Sinken: 0,64 m/s bei ?? km/h
Beste Gleitzahl: 29


 


 
Halter / Besitzer:

Markus Thurnwald



 
 

 

Geschichte L-Spatz 55 D-1686


Vor ein paar Wochen kursierte in unserem Verein das Gerücht unser Vorstand (Udo Höfer) sei nach Schleswig Holstein gefahren, um dort mit einem ehemaligen Mitglied und Gönner des SFCs, Wolfram Bogner, Gespräche wegen eines L-Spatz 55 zu führen. Natürlich glaubte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ernsthaft daran, dass das besagte Segelflugzeug schon wenige Wochen später auf der Hahnweide stehen würde…

Doch bereits am letzten Freitag, wir saßen alle beisammen um Michael Schneiders Geburtstag nachzufeiern, kam Udo freudestrahlend an und erklärte, dass schon Morgen das Oldtimersegelflugzeug, welches am Flugplatz Unterwössen in Bayern stationiert war, mit dem Anhänger auf die Hahnweide gebracht würde.

Wir waren Überwältigt! Keiner konnte so recht glauben was er da hörte! Ein neues Flugzeug für den Verein? In so kurzer Zeit? Und auch noch geschenkt?

Das war eigentlich schon zu viel um es glauben und begreifen zu können. Aber es entsprach der Wahrheit. Wolfram Bogner hatte uns den Flieger mit samt Instrumenten und Anhänger geschenkt! Nach dieser Ansage gab es den ganzen Abend Über kein anderes Thema mehr. Die erfahren Piloten erzählten von ihren damaligen Erlebnissen und Streckenflüge mit diesem Flugzeug und die Jüngeren lauschten gespannt den Geschichten und versuchten schon einen ersten Eindruck von diesem Flugzeug zu erhaschen.

Am nächsten Morgen war die Spannung natürlich groß, als man sich auf der Hahnweide einfand um das neue Flugzeug in Augenschein zu nehmen. Mit etwas Verspätung traf der Spatz dann endlich gegen 13:30 vor dem Tor zum Flugplatz ein. Wir schoben den Hänger vor die große Halle und trockneten das Flugzeug erst einmal ab, da es am Vormittag geregnet hatte und der Flugzeughänger Über keine Vollverkleidung verfügte.

Benedikt, der den Hänger von Unterwössen auf die Hahnweide gebracht hatte, half uns beim Aufbau und erklärte uns ganz genau, was es dabei zu Beachten gibt.

Da der Himmel gerade eine Regenpause einlegte, entschlossen wir uns vor dem nächsten Schauer noch ein paar Starts mit dem nostalgischen Holzflugzeug zu machen.

Udo durfte natürlich als Erster fliegen, da ohne Ihn das Alles gar nicht möglich gewesen wäre. Nach ein paar Metern war der superleichte Segler in der Luft und – tatsächlich – er flog! Als Udo mit dem L-Spatz ein paar Kurven Über dem Platz drehte, konnten wir zum ersten Mal den Flieger in seiner nostalgischen Schönheit im Flug bewundern. Es war ein wirklich schönes, fast schon romantisches Bild, das sich uns dort bot.

Dem breiten Grinsen in Udos Gesicht, als er wieder gelandet war, nach zu urteilen hatte es auch Ihm gefallen. Leider hatte das Wetter in der Zwischenzeit schon wieder umgeschlagen, sodass nur noch Zeit für einen Start blieb, den wir unserem Zellenwart, Markus Thurnwald, gönnten.

Aber bereits am nächsten Tag lachte uns wieder die Sonne und das Probefliegen des neuen Seglers war gesichert. Da ich bereits am Nachmittag Dienst auf dem Tower tun musste, durfte ich als erster starten.

Ich kletterte in das von außen eng anmutende, aber eigentlich sehr geräumige Cockpit und schloss die Haube. Als das Schleppflugzeug vor mir anzog, hielt ich den Knüppel stark gezogen und war bereits nach wenigen Metern in der Luft. Es war ein herrliches Gefühl. Nicht zu vergleichen mit dem Steuern eines modernen Segelflugzeugs und auch die Aussicht und das Horizontbild im Flug war völlig neu. Nach dem Ausklinken stieg ich in einen leichten thermischen Aufwind ein und war erstaunt darüber, wie schnell dieses leichte Holzflugzeug nach oben stieg. Was ich allerdings nicht kannte waren die auftretenden Ruderkräfte. In einem modernen Segelflugzeug spürt man am Steuerknüppel keine Kräfte mehr, da diese von der Steuermechanik aufgenommen werden. Bei diesen alten Flugzeugen gab es eine solche Mechanik noch nicht, sodass man jede Bewegung der Luft sofort am Steuerknüppel zu spüren bekam. In der Praxis bedeutete das, dass ich beim durchfliegen von Turbulenzen oder stärkeren Aufwinden den Steuerknüppel mit beiden Händen festhalten musste, damit er nicht wild um sich schlug. Aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase war auch das kein Problem mehr.

Etwas Bammel hatte ich vor der Landung, da diese Älteren Flugzeuge Über keine Radbremse verfügen. Der L Spatz besitzt zwar ein Rad auf dem man landen kann, aber zum Bremsen gibt es nur eine Stahlkufe, die vor dem Rad befestigt ist.

Meine Bedenken schwanden allerdings schnell, als ich sicherheitshalber etwas früher aufsetzte und bemerkte, dass der Flieger schon nach wenigen Metern zum Stillstand kam. Kein Wunder bei einer Aufsetz-Geschwindigkeit von nur 55 Km/h.

Auch ich stieg begeistert aus dem Segler aus und nach zwei weiteren Starts war ich mir sicher, dass ich in Zukunft Öfter mit diesem Oldtimer in die Luft steigen werde. Auch wenn die Gleitleistung mit modernen Segelflugzeugen nicht zu vergleichen ist, so ist doch das Fluggefühl, die Aussicht und das fliegerische Handwerk viel intensiver als bei modernen Flugzeugen.

Mit diesem Flieger bekommt unser Verein nun einen schönen, gut erhaltenen Oldtimersegler, der sowohl unseren Flugschülern wie auch unseren Leistungspiloten durch seine einfache Bedienung, sein gutmütiges Flugverhalten und das großartige Fluggefühl, das er vermittelt, viel Freude bereiten wird.

Ein besonderer Dank gilt Wolfram Bogner, der uns mit diesem Flugzeug ein großes Geschenk und viel Freude gemacht hat und natürlich unserem Vorstand Udo Höfer, ohne dessen unermüdlichen Einsatz das Alles nicht möglich gewesen wäre!